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Organisationsentwicklung im Office Management: Wenn gewachsene Abläufe an ihre Grenzen stoßen

Es gibt einen Satz, den ich in Erstgesprächen immer wieder höre: „Eigentlich läuft es. Nur eben auf Zuruf und extrem mühsam.“

Genau an diesem Punkt nahm eine Geschäftsführerin Kontakt mit uns auf. Ihr Anliegen klang zunächst überschaubar. Am Ende des Gesprächs sah es anders aus. Ich habe den Fall anonymisiert, weil die Konstellation in vielen kleinen und mittleren Organisationen fast wortgleich vorkommt.

Die Ausgangslage des Fallbeispiels

Eine Organisation mit rund acht Mitarbeitenden an einem Standort.

Zwei Sekretariatskräfte sind für das gesamte Haus zuständig, dazu kommen die Fachkolleg:innen und die Buchhaltung. Eine der beiden Sekretariatskräfte verantwortet zusätzlich das Veranstaltungsmanagement. Beide sind Quereinsteigerinnen und kamen aus anderen Berufsfeldern.

Die Geschäftsführerin ist seit einem Jahr im Amt. Sie hat ein Team übernommen, das über viele Jahre zusammengewachsen ist und auf Zuruf und aus Erfahrung arbeitet. Das hat lange getragen.

Inzwischen zeigen sich Grenzen. Vorgänge sind schwer auffindbar. Von außen ist die Logik der Abläufe kaum nachvollziehbar. Ein Personalwechsel steht an und macht sichtbar, wie viel Wissen ungeschrieben im Team liegt.

 

Organisationsentwicklung im Office Management

Der erste Wunsch: eine Begleitung für die beiden Sekretariatskräfte

Der ursprüngliche Auftrag lautete, die beiden Sekretariatskräfte zu begleiten. Dann könne sich die Geschäftsführung endlich auf ihre eigenen Aufgaben konzentrieren.

Dieser Wunsch ist nachvollziehbar und trotzdem heikel. Eine Maßnahme, die sich nur an zwei Personen richtet, sendet eine deutliche Botschaft ins Team: Bei euch liegt das Problem. Selbst bei bester Absicht bleibt dieser Eindruck hängen und wirkt lange nach.

Hinzu kommt: Die Annahme stimmt selten. In diesem Fall stimmte sie ebenfalls nur zu einem kleinen Teil.

 

Warum eine Softwareschulung allein zu kurz greift

Gute Arbeitsorganisation ruht auf drei Ebenen. Wer nur eine davon bearbeitet, erlebt kurze Verbesserungen und danach den Rückfall in alte Muster. Die Schilderungen aus dem Gespräch verteilten sich auf alle drei.

 

Office-Management Voraussetzungen

Ebene 1 – Methoden: wissen, was wirkt

Der Posteingang war überfüllt. Gelöscht wurde nichts, aus einem Absicherungsgedanken heraus. Unterbrechungen folgten keiner Regel. Prioritäten entstanden situativ, je nachdem, wer gerade in der Tür stand.

Ebene 2 – Struktur: Standards und Arbeitsabläufe

Anfragen liefen über ein zentrales Postfach. Offen blieb, was das Sekretariat selbst erledigt, was in den Fachbereich geht, was zur Geschäftsführung und wie der Vorgang gekennzeichnet wird. Zuständigkeiten für wiederkehrende Aufgaben waren mündlich verabredet. Verteilte Vorgänge wurden unterschiedlich nachgehalten, Fristen hingen an einzelnen Personen. Gemeinsame Ablagen fehlten. Bei Einladungen wurde mal so und mal anders entschieden, wer sie erhält.

Ebene 3 – Selbstmanagement: sich selbst steuern

Der Absicherungsgedanke prägte das Verhalten im gesamten Haus. Die stärkere Einbeziehung durch die neue Geschäftsführung erzeugte Verunsicherung. Fehler wurden aufgefangen statt angesprochen. Anfragen abzulehnen fiel allen schwer.

Sichtbar wird das Problem im Posteingang. Seine Wurzeln liegen tiefer.

Die richtige Lösung für Sie ist einen Anruf weit entfernt.

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Das Angebot: alle bekommen dasselbe

denkvorgangs Empfehlung war, das Thema für das gesamte Team zu öffnen. Fachkolleg:innen, Geschäftsführung und Back Office arbeiten am selben Material und nach denselben Regeln.

Das löst zwei Dinge auf einmal. Die beiden Sekretariatskräfte erhalten die gewünschte Unterstützung, ohne herausgehoben zu werden. Und Regeln, die nur eine Seite kennt, funktionieren ohnehin selten. Wenn eine Fachkollegin weiterhin per Zuruf beauftragt, läuft die beste Sekretariatsstruktur ins Leere.

Das Vorgehen in vier Bausteinen

Baustein 1: Standortbestimmung im Team

Vor jeder Software geht es um Wahrnehmung. Wie erleben wir unseren Alltag? Könnte es anders sein? Was hören wir voneinander? Widerstände werden hier bewusst aufgenommen. Die bisherige Arbeitsweise ist aus guten Gründen entstanden, und das gehört ausgesprochen.

Baustein 2: Gemeinsame Outlook-Schulung

Posteingang, Kategorien und Kennzeichnung, Weiterleitungslogik im zentralen Postfach, Wiedervorlage und Fristen, Termin- und Einladungsregeln, Aufgabenverteilung, Ablage.

Baustein 3: Standards festlegen

Rund zehn wiederkehrende Abläufe werden beschrieben und verbindlich gesetzt. Bewusst zehn und keine vierzig. Ein schlanker Satz von Regeln, den alle kennen, wirkt stärker als ein Handbuch, das niemand liest.

Baustein 4: Begleitung im Alltag

Kurze Coaching-Einheiten nach der Schulung, damit die Regeln im Betrieb ankommen.

 

Woran sich der Erfolg messen lässt

Organisationsentwicklung wirkt oft weich. Sie lässt sich trotzdem in Zahlen fassen. Diese fünf Werte erheben wir vor dem Start und nach Abschluss:

  • Anzahl Mails im Posteingang je Postfach
  • Durchlaufzeit einer Anfrage vom Eingang bis zur Zuordnung
  • Suchzeit für einen zurückliegenden Vorgang
  • Anzahl Unterbrechungen pro Tag im Sekretariat
  • Anzahl beschriebener und eingehaltener Standardabläufe

Diese Zahlen kosten wenig Aufwand und verändern die Diskussion im Team spürbar. Aus Eindrücken werden Fakten.

Der häufigste Einwand: „Wir sprechen doch miteinander …“

In diesem Haus herrscht hohes Vertrauen. Genau deshalb wirkten Festlegungen zunächst fremd. Wer soll denn Rechte vergeben, wenn sich alle einig sind?

Vertrauen und Struktur schließen einander aus? Im Gegenteil. Struktur schützt das Vertrauen. Sie sorgt dafür, dass niemand als Einziger weiß, wo die Unterlagen liegen. Sie macht Übergaben möglich, ohne dass jemand wochenlang danebensitzt. Und sie nimmt dem Team die stille Angst, im Krankheitsfall etwas zu übersehen.

Was Sie daraus mitnehmen können

Vier Fragen, die Sie in Ihrer eigenen Organisation stellen können:

  1. Könnte eine neue Kollegin einen laufenden Vorgang allein finden und weiterführen?
  2. Ist geklärt, wer welche Anfrage aus dem zentralen Postfach bearbeitet?
  3. Existieren zehn wiederkehrende Abläufe schriftlich, oder leben sie in Köpfen?
  4. Wenn morgen eine Schlüsselperson ausfällt: Was bricht weg?

Fallen Ihnen bei mehr als einer Frage Lücken auf, lohnt sich ein genauer Blick. Der Aufwand bleibt überschaubar, solange der Betrieb läuft.

Fazit

Organisationsentwicklung im Office Management beginnt selten mit Software. Sie beginnt mit der Frage, welche Absprachen ein Team stillschweigend trifft und welche davon inzwischen mehr Kraft kosten als sie sparen.

Der Weg dorthin verlangt keinen großen Prozess. Ein gemeinsamer Start, klare Methoden, zehn verbindliche Abläufe und etwas Begleitung im Alltag reichen in vielen Häusern aus.

 

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